Eine Frau sitzt im Flugzeug. Vor ihrem Mund hält sie einen Spuckbeutel.

Magen-Darm-Erkrankungen auf Reisen

  • Die häufigsten Krankheitserreger
  • Tipps bei Erkrankung
  • Richtige Vorbeugung

Gesundheitstipp Magen-Darm-Erkrankungen auf Reisen – Montezumas Rache auf Reisen

Wer in tropische oder subtropische Gebiete reist, freut sich vor allem auf Sonne, Strand und Erholung. Exotische Speisen, heiße Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit können allerdings dem Immunsystem zu schaffen machen. Magen-Darm-Erkrankungen sind dann keine Seltenheit. Obwohl die meisten Reisedurchfälle harmlos sind, stören sie oft den Urlaubsablauf und das allgemeine Wohlbefinden. Hier erfahren Sie, was die Ursachen von lästigen Darmerkrankungen auf Reisen sind und wie Sie der Reisediarrhö mit einfachen Tricks vorbeugen.

Ursachen & Symptome – was sind die Ursachen und Symptome von Reisediarrhö?

Laut Statistiken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind 20 bis 50 % aller Reisenden von Durchfallerkrankungen betroffen. Auf Nilkreuzfahrten erkranken sogar fast 80 % der Passagiere an Reisediarrhö. Das Risiko zu erkranken ist in subtropischen und tropischen Ländern Asiens, Afrikas und Südamerikas am größten. In Ländern dieser Erdteile sind die Hygienestandards oft niedriger als die in Europa. Hinzu kommt das warme Klima, das Durchfallerregern hilft, sich besonders schnell zu vermehren.

Reisedurchfall ist meist die Folge einer Infektion des Magen-Darm-Trakts. Auslöser der Infektion können Bakterien, Viren, Parasiten oder Amöben sein. Der menschliche Darm wird von mehreren Trillionen gutartiger Bakterien besiedelt, die die natürliche Darmflora bilden. Durch fremde Bakterien und Keime kann diese gestört werden und aus dem Gleichgewicht geraten. Begünstigende Faktoren sind:

  • ungewohnte Nahrungsmittel,
  • niedrige Hygienestandards,
  • Reisestress,
  • exotisches Klima und
  • die Zeitumstellung.

Oft ist das Immunsystem bereits durch Reisestrapazen geschwächt und der Körper kann fremde Eindringlinge nicht mehr ausreichend bekämpfen.

Wie kommt es zu den typischen Symptomen?

Am häufigsten werden Durchfallerkrankungen auf Reisen durch einige toxische Stämme von E.-coli-Bakterien ausgelöst. Diese gelangen meist durch Nahrungsaufnahme oder durch verunreinigtes Trinkwasser in den Magen-Darm-Trakt. Dort stoßen sie Giftstoffe aus, die eine erhöhte Elektrolyt- und Wasserausscheidung an der Darmwand zur Folge haben. Typisches Symptom sind dann wässrige Durchfälle. Andere Viren und Einzeller können auch die Darmwand selbst schädigen. Im schlimmsten Fall treten neben Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen und Durchfall auch Symptome wie Fieber oder blutiger Stuhl auf.

Die Darmflora ist allerdings sehr variabel und anpassungsfähig. Bei längeren Aufenthalten in einem exotischen Land passen sich die Darmbakterien an lokale Keime an und können diese wirksamer bekämpfen. Einheimische haben somit meist eine andere Darmflora als Europäer, sind gegen die Toxine der Bakterien vor Ort immun und erkranken so nicht.

Erreger – was sind die häufigsten Krankheitserreger von Reisedurchfall?

Die meisten Durchfallerkrankungen werden durch sogenannte Fäkalkeime ausgelöst. Durch unzureichende hygienische Bedingungen gelangen Erreger, die sich normalerweise im Stuhl befinden, in die Nahrung oder das Trinkwasser. Die Keime unterscheiden sich nach Urlaubsland und Region: In Afrika und Südamerika kommen vor allem enterotoxische Escherichia coli (ETEC) und enteroaggregative Eschericchia coli (EAEC) vor, Salmonellen, Shigellen und Campylobacter sind in Südostasien die häufigsten Auslöser von Reisediarrhö. Besonders auf Kreuzfahrtschiffen gefürchtet ist der auch in Deutschland bekannte Norovirus. Dieser verbreitet sich besonders rasch, ist hochansteckend und hat auf Ozeanriesen schon einige Epidemien ausgelöst.

Cholera

Eine der bekanntesten Durchfallerkrankungen ist die Cholera. Diese Krankheit wird durch die Bakterienart Vibrio cholerae ausgelöst und kann unbehandelt zum Tod führen. Sie kommt insbesondere in Entwicklungsländern vor, in denen Trinkwasser- und Abwassersysteme nicht voneinander getrennt sind. Die Erreger befinden sich dann im Meer, in Flüssen und dem Leitungswasser. Durch kontaminiertes Wasser können die Bakterien dann auch in Nahrungsmittel und Getränke gelangen. Gegen Cholera gibt es eine wirksame Impfung, die Reisenden mit längerem Aufenthalt in Risikogebieten empfohlen wird. Da die Cholera-Toxine den ETEC-Toxinen sehr ähnlich sind, kann eine Cholera-Impfung auch einer Infektion durch ETEC-Bakterien vorbeugen.

Shigellen

Die Shigellose wird durch das Bakterium Shigella hervorgerufen. Symptome der Krankheit sind blutiger Stuhl, Erbrechen, Fieber und Bauchkrämpfe. Shigellen kommen dort vor, wo die hygienischen und sanitären Verhältnisse schlecht sind. Shigellose-Epidemien gab es deshalb in der Vergangenheit vermehrt in Kriegszeiten. In den letzten Jahren haben Urlauber die Bakterien vor allem aus Ägypten, Indien, Marokko, Tunesien und der Türkei mitgebracht. Die Erreger vermehren sich fast ausschließlich im menschlichen Magen-Darm-Trakt, deswegen werden die Shigellen meist durch fäkal-orale Schmierinfektionen, verunreinigtes Wasser, Lebensmittel und Fliegen übertragen. Die Krankheit ist hochansteckend, denn schon kleinste Mengen der Erreger (10 bis 200 Keime) können entsprechende Symptome auslösen. Um der Krankheit vorzubeugen, ist eine gründliche Hand- und Lebensmittelhygiene einzuhalten.

Salmonellen

Die Salmonellen sind nicht nur als Erreger von Reisedurchfällen, sondern auch als heimischer Krankheitserreger bekannt. Symptome einer Infektion sind Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Eine Salmonelleninfektion entsteht häufig nach dem Verzehr von Eiern, Fleisch und Rohmilch. Die Erreger sind ziemlich robust. Erst wenn Speisen für mindestens 10 Minuten auf über 75 Grad Celsius erhitzt werden, sind alle Bakterien abgetötet. Zur Sicherheit sollten Sie deshalb auf Ihren Reisen in exotische Länder auf Speisen, die rohe Eier (z. B. Mayonnaise, Konditoreiwaren mit Eischnee) und nicht ausreichend durchgegartes Fleisch enthalten, unbedingt verzichten.

Therapie – welche Mittel helfen gegen Reisediarrhö?

Diese Tipps können Ihnen bei Durchfallerkrankungen auf Reisen helfen:

  • Bei Durchfallerkrankungen mit wässrigem Stuhl verliert der Körper viel Flüssigkeit und Elektrolyte. Um dieses Defizit auszugleichen, sollten Sie viel Tee, Mineralwasser, verdünnte Säfte, Gemüsebrühe oder Suppen zu sich nehmen.
  • Verzichten Sie auf Leitungswasser, da dieses Ursache der Durchfallerkrankung sein kann.
  • Fettige Lebensmittel können den Magen-Darm-Trakt reizen, deswegen sollten Sie solche Speisen eher meiden.
  • Essen Sie Leichtverdauliches wie Zwieback, Salzstangen oder geriebenen Apfel.
  • Besorgen Sie sich Elektrolytpulver aus der Apotheke, um eine Rehydrationslösung anzumischen. Diese kann den Wasser- und Elektrolytverlust ausgleichen. Am besten machen Sie solches Elektrolytpulver zu einem festen Bestandteil Ihrer Reiseapotheke.
  • Im Notfall können Sie sich eine Elektrolytlösung auch selbst herstellen: Kochen Sie dazu ein Liter Wasser ab, fügen Sie zwei Esslöffel Zucker und einen gestrichenen Teelöffel Salz hinzu.
  • Auf Hausmittel wie Cola und Salzstangen besser verzichten. Das in Cola enthaltene Koffein regt den Darm an und verschlimmert Beschwerden wie Durchfall. Zucker und Salz können den Flüssigkeitsverlust im Verdauungstrakt verstärken.

Medikamente mit Bedacht einnehmen

Wenn Sie einen längeren Ausflug, eine Flug- oder Busreise planen, wo Sie nicht die Möglichkeit haben, eine Toilette aufzusuchen, können Sie auf ein Medikament mit dem Wirkstoff Loperamid (z. B. „Imodium“) zurückgreifen. Loperamid ist ein Wirkstoff, der die Darmtätigkeit bremst. Die Anwendung des Medikaments behebt allerdings nicht die Ursache des Durchfalls, bekämpft also nicht die Durchfallerreger, sondern hemmt nur die Darmbewegungen. Die Darmentleerung ist eigentlich ein Schutzmechanismus des Körpers. Er möchte besonders schnell die Krankheitserreger loswerden. Bei der Einnahme von Loperamid geschieht dies nicht, vielmehr können sich die Erreger im Darm verbreiten. Aus diesem Grund darf das Medikament nur bei Jugendlichen und Erwachsenen und nie länger als 48 Stunden angewendet werden. Ebenso darf Loperamid nicht eingenommen werden, wenn der Durchfall blutig ist oder mit Fieber einhergeht.

Meistens klingen die Beschwerden des Reisedurchfalls nach wenigen Tagen wieder ab. Einen Arzt sollten Sie allerdings unbedingt aufsuchen, wenn Sie zusätzliche Symptome wie schwere Bauchschmerzen, Erbrechen, Fieber, blutigen oder schleimigen Stuhl haben. Diese Beschwerden deuten auf eine schwerwiegendere Erkrankung hin. Der Arzt kann dann anhand einer Stuhlprobe den Erreger des Magen-Darm-Infekts bestimmen und passende Medikamente verschreiben. Der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung schützt Sie im Notfall vor den Kosten einer medizinischen Behandlung.

Vorbeugung – wie kann ich mich vor „Montezumas Rache“ schützen?

Die häufigste Ursache unangenehmer Magen-Darm-Verstimmungen sind Bakterien, die in Lebensmitteln oder Wasser vorkommen. Meist ist das Vorkommen solcher krankheitserregender Bakterien unzureichenden hygienischen Verhältnissen geschuldet. Auch Viren oder Amöben werden häufig durch die Nahrungsmittelaufnahme übertragen.

Die gute Nachricht ist, dass man dem Reisedurchfall mit einigen einfachen Hygieneregeln vorbeugen kann. In exotischen Ländern sollten Sie Ihr Essen nach der Tropenregel „Koche es, schäle es oder vergiss es!“ (Cook it, peel it or forget it!) auswählen. Durch das Erhitzen werden viele Krankheitserreger abgetötet bzw. durch das Schälen (z. B. Obst oder Gemüse) von der Oberfläche entfernt.

Zur Vorbeugung von Magen-Darm-Erkrankungen können Ihnen außerdem diese Tipps helfen:

  • Meiden Sie in exotischen Ländern bestenfalls Speisen von Büffets, da sich Bakterien in frischen Lebensmitteln, die länger stehen, schnell vermehren.
  • Speisen Sie in Restaurants, in denen Ihr Essen frisch zubereitet wird. Rohe oder nicht genügend durchgebratene Lebensmittel wie Steaks, Muscheln oder rohen Fisch sollten Sie besser nicht verzehren.
  • Kochen Sie Leitungswasser am besten immer ab oder trinken versiegeltes Flaschenwasser. Der Grund: Oft sind die Trink- und Abwasserversorgung in exotischen Urlaubsländern nicht voneinander getrennt und Bakterien aus dem Abwasser können die Trinkwasserleitungen verschmutzen.
  • Auf Eiswürfel in Getränken sollten Sie verzichten, nicht nur, weil sie oft aus verunreinigtem Leitungswasser hergestellt werden, sondern auch, weil sich in Eismaschinen Keime schnell verbreiten können. Aus diesem Grund sollten Sie auch kein unverpacktes Soft- und Speiseeis essen.
  • Nutzen Sie beim Zähneputzen in entsprechenden Risikogebieten im besten Fall versiegeltes Flaschenwasser.
  • Kaffee und Tee dagegen können Sie in der Regel bedenkenlos genießen, da diese Getränke mit gekochtem Wasser zubereitet werden.
  • Vor und nach dem Essen sollten Sie sich stets gründlich die Hände waschen oder desinfizieren. Praktische Reisebegleiter sind kleine Handdesinfektionsgels oder -tücher, die in jede Tasche passen und schnell griffbereit sind. So können Sie einer Kontamination Ihres Essens leicht vorbeugen.
  • Ggf. können Sie schon vor der Abreise mit der Einnahme eines probiotischen Medikaments beginnen, welches Laktobazillen oder Arzneihefe enthält (z. B. „Perenterol“ oder „Lacteol“). Diese Wirkstoffe unterstützen und kräftigen die Darmflora und machen den Darm so weniger anfällig für Krankheitserreger. Da diese Medikamente nicht gekühlt werden müssen, eignen sie sich auch gut für Ihre Reiseapotheke.

Sichern Sie Arzt- und Krankenhauskosten sowie die Kosten für einen medizinisch sinnvollen Krankenrücktransport mit einer Auslandskrankenversicherung ab. 

Hinweis: 
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